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Mein Mann tut nichts für die Beziehung & liebt mich nicht mehr. 

Written by Karl Lippert & SimonPutz

18. Juni 2019

Mein Mann liebt mich nicht mehr
Eigentlich geht es mir gut, alles ist in Ordnung, alles ist gut, es fehlt mir an nichts. Immer wieder sagt
sich – wir nennen sie hier Katharina – das vor. Es hämmert in ihrem Kopf, lässt sie hastig und fahrig
ihre Arbeit verrichten. Ihr Mann hat einen gutbezahlten Job, sie selbst arbeitet halbtags. Die Kinder
sind keine Kinder mehr. Der Sohn ist verlobt, lebt mit seiner Freundin zusammen und wird im
nächsten Jahr heiraten, ihre Tochter ist vor kurzem in eine WG gezogen, das Haus ist auch abbezahlt.
Sie und Alfred, ihr Mann, haben einen großen Freundeskreis, viele Freunde, mit denen sie häufig
etwas unternehmen. Es passt also alles. Und doch beschleicht Katharina seit einiger Zeit das
unbestimmte Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt.

Beziehungs- & Liebesprobleme 

Was ist mit meinem Mann los?

Sie und ihr Mann sprechen kaum noch miteinander, und wenn, dann nur über Organisatorisches, den Alltag. Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, ist er immer müde, setzt sich zum gedeckten Tisch. Das Essen, das Katharina gekocht hat, nimmt er kommentarlos zu sich. Schon länger versucht Katharina nicht mehr, ein Gespräch zu beginnen, denn regelmäßig ist sie an der Verschlossenheit von Alfred gescheitert. Während er sich dann vor den Fernseher setzt und ein Bier trinkt oder zwei, erledigt sie die restliche Hausarbeit, die sie untertags nicht geschafft hat. Irgendwann geht sie dann zu Bett, schläft zumeist schon, wenn Alfred auch ins Bett kommt.

Sieht so Leben aus?

Sieht so Leben aus, war es das schon? Gibt es da nicht mehr? Bin ich Alfred nicht mehr wichtig, liebt er mich überhaupt noch? Diese Fragen stellt sich Katharina in letzter Zeit immer öfter …

Vielen – zumeist Frauen – ergeht es in ihren Beziehungen so oder so ähnlich wie Katharina. Was vielversprechend begonnen hat, vielleicht mit dem Gefühl, den Mann der Träume gefunden zu haben, mündet nach einer anfänglichen Phase des Verliebt-Seins in Ernüchterung. Zumeist spätestens nach zwei Jahren. Dann tauchen Seiten beim Partner auf, die davor nicht erkannt oder anders gesehen wurden. Seine langsame, überlegte und alles hinterfragende Art, die sie anfangs so angezogen und bewundert hatte, erlebt sie jetzt als kalt, zurückgezogen, wortkarg und abweisend. Und umgekehrt: Was ihn zu Beginn so begeistert hatte, war ihre warmherzige, lebendige, gesellige und fürsorgliche  Art. Heute fühlt er sich davon bedroht, unter Druck gesetzt, kontrolliert und hat das Gefühl, nie zu genügen. Was haben die beiden im Verlauf ihrer langjährigen Partnerschaft nur falsch gemacht?

Was mache ich falsch? Wieso liebt mein Mann mich nicht mehr?

Die Antwort ist einfach: Nichts! Sie haben nichts „falsch“ gemacht, denn die Kategorien von richtig und falsch greifen hier nicht. Sie haben sich beide unbewusst  ihr „Imago“ gesucht, jenes Bild, das sich aus den guten und schlechten Eigenschaften ihrer Eltern oder nahen Bezugspersonen zusammensetzt, ihr Bild von Beziehung. Dahinter steht der – unbewusste (!) – Wunsch, als Erwachsener endlich vom Partner das erfüllt zu bekommen,  was man als Kind schmerzlich vermisst hat. Da dies aber beide vom jeweils anderen wollen, und das gleichzeitig und am besten sofort, beginnt das Gezerre, der Machtkampf. Wer hat Recht, wessen Bedürfnisse werden erfüllt, wer muss (immer) zurückstehen. Jene Seite, die sich als Verlierer fühlt, ist verletzt, fühlt sich nicht gehört, nicht verstanden, gedemütigt, und sinnt im schlechtesten Falle auf Rache. Und das Karussell der wechselseitigen Verletzungen dreht sich munter weiter. Irgendwann wird die Umdrehungsgeschwindigkeit dann langsamer, die permanenten fruchtlosen Auseinandersetzungen ermüden und zermürben. Schließlich verstummen beide, sind frustriert, enttäuscht, ziehen sich aus der Beziehung zurück, kein Kampf mehr, aber auch keine Berührung und Nähe.

Vom ersten Verliebt-Sein bis zum Machtkampf & Beziehungsschmerz

So oder so ähnlich könnte der Verlauf von Katharinas Partnerschaft ausgesehen haben. Ist sie dem also hilflos ausgeliefert, kann sie gar nichts daran verändern? Dazu verdammt, bis zum Lebensende in dieser Starre, Enge und Kälte auszuharren? Vielleicht die Partnerschaft beenden und nach einem neuen, besseren, liebevolleren Partner Ausschau halten? Gibt es Möglichkeiten, wieder Schwung in die bestehende Partnerschaft mit Alfred zu bringen, sie mit neuem Leben zu erfüllen?

Was Katharina tun könnte – Hilfreiche Tipps für die Beziehung

  • Sich jede Form von Kritik an Alfred, ob direkt oder versteckt, verkneifen (Achtung: Kritik ist nicht das, was sie als Kritik meint oder formuliert, sondern das, was Alfred als solche empfindet! Im Zweifel hilft nachfragen!)
  • Alfred mit Kleinigkeiten überraschen, von denen sie weiß, dass es ihn freut (ohne eine Gegenleistung von ihm zu erwarten)
  • Alfred ausdrücklich für etwas, was er erledigt hat oder ihm gelungen ist, wertschätzen – aber ACHTUNG:
    Gedanken-Falle Nummer 1: Wozu wertschätzen, das ist doch selbstverständlich, was er da macht, das muss doch nicht extra erwähnt werden … (Wertigkeiten einseitig festlegen)
    Gedanken-Falle Nummer 2: Wozu soll ich ihn wertschätzen, er hätte doch viel mehr Anlass, meine Arbeit zu würdigen … (wer leistet mehr = Machtkampf)
    Gedanken-Falle Nummer 3: Wenn es unbedingt sein muss, dann suche ich eben nach irgendeinem Anlass … (resignatives oder verdeckt aggressives „Das-wird-ohnehin-nichts-Werden“-Verhalten)
    Ausführungs-Falle Nummer 4: Lob – wie etwa „Das hast du wirklich gut gemacht, ich bin stolz auf dich!“ (Lob wendet sich immer an die Person, ist hierarchisch, d.h. von oben herab! In einem Gedanken-Experiment könnte Katharina sich ja mal vorstellen, ihren Chef so zu loben! Würde das gutgehen?  Und: Lob dient der Manipulation mit dem Hintergrund „Mach so weiter …!“)  


Wie können diese Fallen vermieden werden:

  • Die Wertschätzung für Alfred muss etwas seinworüber sich Katharina wirklich freut und was Bedeutung für sie hat (eine Form von Aufmerksamkeit seitens Alfred, Übernahme einer Arbeit, Erinnerung an einen Termin u.a.m.)
  • Katharina benennt die Sache, die ihr gefällt: „Ich freue mich, dass du heute den Rasen gemäht hast, er war schon sehr hoch!“
  • Sie benennt, was das für sie bedeutet: „Ich hatte mir diese Arbeit schon für morgen vorgenommen. Jetzt kann ich stattdessen das interessante Buch, das ich kürzlich begonnen habe, fertig lesen!“
  • Zuletzt kann sie auch benennen, wie sie sich dabei fühlt (Fortgeschrittenen-Version!): „Ich freue mich, dass du mir das möglich machst! Ich fühle mich von dir wertgeschätzt und gesehen!“

In der Beziehung die Verantwortung übernehmen & handeln

Warum sollte Katharina das alles tun, wo sich doch Alfred überhaupt nicht bewegt, er ist doch derjenige, der sich zurückgezogen hat, er müsste doch aktiv werden!?!

Diese Haltung von Katharina kann ich gut nachvollziehen. Ich kenne sie sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus meiner langjährigen therapeutischen Arbeit. Es ist schwierig und braucht viel Überwindung und Mut, den ersten Schritt zu tun. Denn darum geht es: Wer macht den ersten Schritt, wer verändert etwas, wer gibt die verzweifelte Trotz-Haltung auf und geht auf den Partner wieder neu zu? In Trotz zu verharren bedeutet, den Machtkampf nicht aufgeben zu wollen. Und Resignation bringt auch keine Verbesserung, denn beides mündet in dasselbe Ergebnis: in eine Sackgasse.

Was ist also zu tun? In der Imago Beziehungsarbeit gibt es eine Grundregel, die lautet: 100 Prozent! In Worten ausgedrückt: Wenn du möchtest, dass sich in deiner Beziehung etwas verändert, dann musst du zu 100 Prozent dafür Verantwortung übernehmen! Du brauchst nicht darauf zu warten, dass dies dein Partner tut oder dass es von selbst passiert! Du brauchst auch nicht darauf zu warten, dass sich dein Partner verändert! Oder du versuchst, ihn zu ändern!? Das hast du sicher schon versucht – und du kennst ja das Ergebnis! Es gibt nur eine einzige Person, die du verändern kannst: dich selbst!

Zeig deinem Mann deine Wertschätzung und überrasche ihn!

Wie können also deine ersten Schritte in eine neue Qualität von Beziehung aussehen:

  1. Definiere für dich einen Zeitraum, in dem du alles, von dem du weißt, dass es dein Partner als Kritik verstehen kann, unterlässt! 
  2. Überrasche ihn mit etwas, von dem du weißt, dass er sich darüber freut!
  3. Zeige ihm deine Wertschätzung!

 

Ein Tipp: Der Zeitraum für dein geändertes Verhalten muss so bemessen sein, dass dein Partner eine Chance hat, das auch zu bemerken! Und er darf nicht zu lange sein, sodass du dein neues Verhalten auch durchhalten kannst!

Warum empfehle ich dir das? Wenn es dir gelingt, in deiner Beziehung (wieder) Vertrauen und ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen, dann kann dein Partner nach und nach auf seine Schutzmuster verzichten, mit denen er sich gegen Angriffe wehrt. Und ein solches Schutzmuster ist häufig Rückzug!!

Wenn du mehr über diese Schutzmuster, ihre Ursprünge und die dahinterliegende Dynamik in deiner Beziehung wissen möchtest, dann kontaktiere mich! In einem persönlichen Gespräch – am besten mit deinem Partner gemeinsam (!) – können wir nach Wegen suchen, wie ihr in Zukunft jene Beziehung führen könnt, von der ihr schon immer geträumt habt!

Meine Kontaktdaten:

E-Mail: klip@aon.at Web: www.imago-paartherapie.at

oder besuchen Sie mich in meiner Praxis:

Mag. Karl Lippert, 1090 Wien, Bergg. 8/19

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